Am Flugsimulator tasten sich Schüler an große Maschinen heran

FILDERSTADT: Durchgehende Verkehrsflugzeugführer-Ausbildung jetzt auch im Großraum Stuttgart - Ausbildung kostet 58.000 Euro

Von Peter Dietrich

Wer in Deutschland Pilot werden möchte, für den gibt es zwei Möglichkeiten. Eine davon ist die begehrte Ausbildung bei der Lufthansa. Wer dort abgelehnt wird, dem bleibt der Weg zu einer privaten Verkehrsfliegerschule. So wie der "FFH - Südwestdeutschen Verkehrsfliegerschule", die in Stuttgart einen weiteren Standort eröffnet.

"Ich rate jedem jungen Menschen, es zuerst bei der Lufthansa zu versuchen", meint Ausbildungsleiter Udo Harter. "Allerdings gibt es dort rund 4000 Bewerbungen für 220 Plätze, und ohne Abitur hat man keine Chance." 800 weitere Interessenten pro Jahr bekommen diese bei privaten Ausbildern - vorausgesetzt, sie bringen das nötige Kleingeld mit. Während die Ausbildung bei der Lufthansa von dieser vorfinanziert und später mit dem Gehalt verrechnet wird, muss die private Ausbildung vollständig selbst bezahlt werden: Harter spricht von rund 58 000 Euro. "Für viele ist Fliegen ein alter Jugendtraum", meint er, "und irgendwie bekommen sie das Geld zusammen".

Zum begehrten Verkehrsflugzeugführerschein - der "Airline Transport Pilot Licence" (ATPL) - gibt es wiederum zwei Wege: Die modulare Ausbildung, die auf der privaten Pilotenlizenz aufbaut und etwa fünf Jahre dauert, oder die durchgehende Ausbildung, die in eineinhalb bis zwei Jahren zum Ziel führt. Letztere war bisher im Großraum Stuttgart nicht möglich.

Ab dritten November werden die ersten angehenden Piloten am Nord-West-Ring 32 in Filderstadt-Bernhausen, direkt gegenüber dem Flughafen, mit ihren 760 Theoriestunden beginnen: "Wir haben bereits fünf Anmeldungen, der Kurs findet auf jeden Fall statt. Aufgenommen werden jedoch bis zu zwölf Schüler." Zweimal im Jahr soll ein Kurs beginnen - damit möchte Harter die Zahl seiner Absolventen, derzeit 25 pro Jahr, verdoppeln. Ihre Übungsflüge können die Schüler ebenfalls ab Stuttgart unternehmen - oder ab den Flughäfen Freiburg und Baden-Airport, die wesentlich niedrigere Gebühren haben. Freiburg mit seinem schönen Wetter eigne sich gut für den Sichtflug, Karlsruhe sei für den Instrumentenflug hervorragend ausgestattet. Geflogen wird mit kleinen ein- oder zweimotorigen Schulflugzeugen. Die Ausbildung für große Verkehrsflugzeuge erfolgt am Simulator in Essen, echte Flüge würden ein Vielfaches kosten. Dabei können die Schüler auch an einer Boeing B 737 und an einem Airbus A 320 trainieren.

Was nicht bedeutet, dass die Anfänger diese Flugzeuge anschließend sofort fliegen dürfen. Haben sie eine Anstellung bei einer Fluglinie gefunden, erfolgt das so genannte "Type Rating" für den jeweiligen Flugzeugtyp. Danach sind sie als Copilot unterwegs und werden zu Beginn von einem dritten Mann im Cockpit überwacht. Bis sie "von rechts nach links wechseln dürfen", benötigen sie fünf- bis sechstausend Flugstunden.