Volle Dröhnung im Auto bis zur Schmerzgrenze

ALTBACH: Johann Frick ist ein "SPLer" - Scirocco mit 33 Lautsprechern voll gestopft - In besten Zeiten Viertlautester in Europa

Von Peter Dietrich

4000 Watt Musikleistung, 260 Ampère Spitzenstrom, 33 Lautsprecher, 145 Dezibel maximaler Schalldruck: Das ist keine Beschreibung einer Diskothek, sondern eines Autos. Johann Fricks roter VW-Scirocco ist ein außergewöhnliches Fahrzeug - auch wenn der Altbacher heute damit ganz normal zum Einkaufen fahren kann. Das war jedoch nicht immer so.

Zehn Jahre alt ist das Auto, sein Tacho zeigt 113 000 Kilometer: Auf gerade mal 50 Euro schätzt der Besitzer den Restwert seines Fahrzeugs. Allerdings ohne alle die Spezialitäten, die er im Lauf der Jahre eingebaut hat: Die addieren sich nämlich zu einem fünfstelligen Betrag. Auffälligster Baustein der Anlage ist der Subwoofer, der den Platz der Rückbank einnimmt. Der Kofferraumboden besteht aus stabilem Plexiglas, darunter stecken 15 Band-Equalizer, eine Trockengelbatterie, zwei von fünf Verstärkern, eine Frequenzweiche und vieles mehr.

"145 Dezibel Schalldruck, das ist der deutsche Mittelwert, richtig interessant wird es erst ab 160", meint Johann Frick. 155 Dezibel sind das Maximum, das er "je aus der Karre herausgeprügelt" habe. Das war im Jahr 2000, in dem Frick Vierter bei den European Finals im Drag Racing Contest der "German Auto Sound Challenge Association" (GASCA) in Stuttgart wurde. Die GASCA veranstaltet Autowettbewerbe, bei denen es nicht um Tempo, sondern um Sound geht.

Bei diesen Wettbewerben wird mit einem Mikrofon der Schalldruck gemessen, englisch "Sound Pressure Level" (SPL). Je höher der Schalldruck, desto lauter die Anlage und umso besser die Platzierung beim Wettbewerb. Wobei, das muss ergänzt werden, es auch die "Sound off"-Wettbewerbe gibt: Hier zählt nicht die Lautstärke, sondern allein Design und Klang. Zu subjektiv findet Frick diese Bewertungen, also Geschmackssache. Da sind ihm die exakt messbaren Ergebnisse lieber.

Sieben Jahre ist es her, dass er das erste Mal als Zuschauer bei einem Wettbewerb war. Dort lernte er die Szene kennen und für ihn war klar: "Da will ich auch mal mitmachen." Wenn man so etwas baue, sei man gleichzeitig Schreiner, Designer, Konstrukteur, Lackierer, Elektriker und Mechaniker, erzählt Frick, diese Kombination mache einfach Spaß. Wobei Mechaniker Johann Fricks echter Beruf ist. Die erste Wettkampfteilnahme war 1997, ein Jahr später wurde Frick hessischer Meister und deutscher Vizemeister. Im Jahr 2000 wurde er bayerischer Meister, württembergischer Meister und erneut Zweiter bei den deutschen Meisterschaften. 10 000 Watt und 154,3 Dezibel Schalldruck reichten trotz harter Konkurrenz zum vierten Platz auf europäischer Ebene. Fehlt noch die Weltmeisterschaft in Las Vegas oder West Palm Beach, Florida: "Der Traum jedes SPLers. Wenn ich Geld hätte, würde ich sofort hinfahren."

Der Weltmeister in der Extremklasse kommt übrigens aus Deutschland. Er brachte es auf 178,5 Dezibel. Da sollte sich keiner ins Auto setzen: Bei 165 beginnt das Herzflimmern, eine Dosis ab 170 Dezibel wirkt sofort tödlich. Fahrzeuge der "Extremklasse" müssen nicht fahrfähig sein, im Gegensatz zu den anderen Klassen.

Früher war der Kofferraum von Fricks Scirocco völlig zugebaut: "A Sommerjäckle, an Sprudel und an kloina Rucksack, dann war er voll." Zwischenzeitlich baute er einiges wieder aus und bringt jetzt wieder sechs Sprudelkisten unter. Die selbst konstruierte Subwoofer-Kiste von damals, mit der er Viertlautester in Europa wurde, machte inzwischen einen Kumpel zum Europameister. "Dass ein anderer mit meinen Sachen Europameister wird, ist frustrierend", gibt er offen zu.

Doch vorbei sind die Zeiten mit 48 Lautsprechern und fünf Batterien im Auto. Zwei Batterien tun es auch, bei mittlerer Lautstärke (im EZ-Test durchaus angenehm) dürften sie ohne laufenden Motor und damit ohne Aufladung durch die Lichtmaschine zwei bis vier Stunden durchhalten, schätzt Frick.

Was für ein Mensch hat so ein Hobby? Ein Krachmacher, ein Rabauke? Weit gefehlt: Wie beim Auto zählen für Frick auch beim Menschen die inneren Werte. Hinten auf dem Scirocco klebt ein Fisch, das Zeichen der Christen. Wenn er mit anderen die Bibel liest, sind Stille und Konzentration gefragt. "Ein Christ muss nicht immer brav sein", erklärt Frick, "aber er darf anderen nicht auf den Keks gehen. Lieber beim Wettbewerb Krach machen als nachts um elf in der Bahnhofstraße." Und dann schwärmt der Altbacher: "Beim Treffen in Holland alle Lichteffekte zuschalten und dann mit offenem Kofferraum fahren, das hat schon was."